100 Jahre Kolping Oberstdorf

Nicht das Wort, sondern die Tat ziert den Mann Adolph Kolping
Johannes Schiebel (1871 – 1963) Gründungspräses des ,,Katholischen Gesellenvereines Oberstdorf'' der späteren Kolpingsfamilie Oberstdorf

Grußwort zum Jubiläum ,,100 Jahre Kolpingsfamilie Oberstdorf''

,,100 Jahre Kolpingsfamilie Oberstdorf'' – dieses Jubiläum lenkt unseren Blick zunächst einmal zurück zu den Anfängen, zum 16. April 1900, als der ,,Katholische Gesellenverein Oberstdorf'' gegründet wurde. Zwei Jahre zuvor war der junge Benefiziat Johannes Schiebel nach Loretto gekommen und hat beim Oberstdorfer Pfarrer Alois Heinle für seine Idee, einen katholischen Gesellenverein im Geiste Adolph Kolpings zu gründen, ein offenes Ohr gefunden. ,,Unverbrüchliche Treue gegen Gott und König, gegen geistliche und weltliche Obrigkeit'' war das Vereinsprinzip, und als Vereinsdevisen galten: ,,Religion und Tugend, Arbeitsamkeit und Fleiß, Eintracht und Liebe, Frohsinn und Scherz''. 18 Jahre später gab es keinen König mehr; die Demokratie stand auf wackeligen Füßen und hielt schließlich dem zunehmenden Druck von rechts und links nicht mehr stand. Das hatte auch unmittelbare Auswirkungen auf den Oberstdorfer Gesellenverein, der schon 1934 nicht mehr bei der Fronleichnamsprozession mitgehen durfte und schließlich jede Aktivität einstellen musste. Das leere Protokollbuch von 1938 bis 1948 bestätigt dies überdeutlich. Doch am 6. Juni 1948 kam der Neubeginn, und zwei Jahre später konnte das Goldene Stiftungsjubiläum groß gefeiert werden. Die nun beginnende ,,zweite Halbzeit'' war vom Gedanken eines eigenen Kolpinghauses geprägt, der 1961 durch das Vermächtnis von Theodor Huber Wirklichkeit wurde und 1975 zum jetzigen Neubau führte, gerade rechtzeitig zum 75-jährigen Gründungsjubiläum.
Nun sind weitere 25 bewegte Jahre vergangen, die die Kolpingsfamilie einschneidend verändert haben: vom Gesellenverein zu einer Gemeinschaft von Älteren und Jüngeren, Männern, Frauen und Kindern. Sie sind die Zukunft dieser, unserer Kolping-Gemeinschaft! Wie jung die nunmehr hundertjährige Kolpingsfamilie geblieben ist, wird bei den Veranstaltungen im Kolpinghaus sichtbar, wenn so viele Kinder Ungezwungenheit und Fröhlichkeit verbreiten. Und mit der ,,Aktion 100'' hat sich die Kolpingsfamilie ein großes Ziel gesetzt, für 100 Familien, die in ärgster Not im Süden Indiens, leben, ein Hoffnungszeichen in Form eines bescheidenen Hauses zu schaffen.
,,Mutig im Jahr 2000'' ist nicht nur das Leitwort des gegenwärtigen ,,Ökumenischen Kirchenjahres im Allgäu'', sondern auch mein Wunsch für die Kolpingsfamilie Oberstdorf. ,,Mut'' ist allemal gefragt: Christsein erfordert heute Mut. Die Mitglieder der Kolpingsfamilie sollen auch in Zukunft in unserer Oberstdorfer Pfarrgemeinde viel bewegen

Peter Guggenberger
(Pfarrer und Präses)

100 Jahre Kolping Oberstdorf

Die Chronik der Jahre 1900 – 2000 im Überblick

(Eine ausführliche Vereinsgeschichte von 1900 bis 1975 steht in der Festschrift von 1975)

15. Januar 1898: Johannes Schiebel kam als Benefiziat nach Oberstdorf. Er und Pfarrer Alois Heinle beschlossen bald, einen Katholischen Gesellenverein nach dem Vorbild Adolph Kolpings zu gründen und suchten nach Mitgliedern.

7. April 1900: Vorbesprechung von Pfarrer Heinle und Benefiziat Schiebel mit 28 Meistern und Gesellen im Gasthof ,,Hirsch''.

16. April 1900: Der ,,Katholische Gesellenverein Oberstdorf e.V." wurde in Anwesenheit von 60 Personen, darunter 35 Gesellen, gegründet. Erster Präses wurde Benefiziat Johannes Schiebel, zum ersten Senior wurde am 13. Mai Josef Zeller gewählt.
Das Stiftungsfest mit Patrozinium wurde auf den 19. März (Josefstag) festgelegt.
Mitgliederstand im Gründungsjahr: 50 aktive Mitglieder, 156 Ehrenmitglieder und 106 Damen-Ehrenmitglieder.

27. Mai 1901: Segnung der neuen Vereinsfahne durch Ehrenpräses Königlich Geistlicher Rat Alois Heinle. (siehe Sonderbericht!)

Folgende Jahre: Festigung des Vereins im Gemeindeleben; Aufnahme und Pflege von Wandergesellen.
Theaterspiel zum Auffüllen der Vereinskasse;
Bildung der Mitglieder durch religiöse und allgemeine Vorträge von Präsides und Handwerksmeistern.

1908: Gründung einer Schützenabteilung: 1. Schützenwart Eugen Sieber, am 16.1.1914 abgelöst von Martin Zeller.

21. September 1913: Katholikentag in Kempten: Der Oberstdorfer Präses Dr. Georg Gromer hielt die Festpredigt.

12. Juli 1914: Senior Leonhard Wallner stürzte im Alter von 30 Jahren beim Edelweißpflücken an der Höfats tödlich ab.

28. Juli 1914: Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Bis Weihnachten 1914 waren schon 25 Kolpingmitglieder im Feld. Erstes Kriegsopfer des Vereins war Hans Kennerknecht (8. September 1914)
Der Verein unterstützte seine Soldaten mit Liebespaketen an die Front.

14. Januar 1918: 26 aktive und 45 Ehrenmitglieder waren Soldaten, zu Hause waren noch 11 aktive und 88 Ehrenmitglieder.

Ende 1918: Der Krieg war verloren, das Vereinsleben lag weitgehend darnieder, selbst das Protokollbuch von damals weist Lücken auf.

Wiederaufbau 1919 - 1923: Senior Simon Aigner (ab 9. Januar1919) begann mit Vizepräses Josef Pirkl und Präses Johann B. Witzigmann sowie 30 Getreuen den Neuaufbau.
Ein großes Problem war dabei in der allgemeinen Nachkriegsnot die Übernachtung und Verköstigung der immer zahlreicher werdenden Wandergesellen. Das Laientheater wurde wieder zu einem Hort der Geselligkeit und Vereinstreue.

1920: wurde in Form einer einfachen Familienfeier mit Festgottesdienst das 20-jährige Stiftungsfest begangen.

1921: wurde der Versuch, eine neue Schützenabteilung aufzustellen, einstimmig abgelehnt.

1922: Am 1. Internationalen Gesellentag in Köln konnten aus Oberstdorf drei Mitglieder mit Fahne teilnehmen durch die Spenden der Gesellen.

Schwere Jahre 1923 - 1932: Teuerung und Inflation veranlassten 1923 vier Kolpingbrüder zur Auswanderung nach Argentinien. Unter der drückenden Arbeitslosigkeit verließen weitere Gesellen Oberstdorf und den Verein.
Unter dem neuen Präses Ludwig Merk wurde 1925 eine Revision der Statuten beschlossen und im kleinsten Rahmen das silberne Stiftungsfest begangen.
Die zunehmende Zahl an durchreisenden Gesellen (1924 waren es 64, 1932 gar 181) wurde zu einem fast unlösbaren Problem. Dazu brachte die Weltwirtschaftskrise 1929 weitere, vereinsinterne Probleme mit sich wie ,,maßloses Trinken und Interesselosigkeit am Vereinsleben''.

Erfreuliches gab es in dieser Zeit auch: Anfang 1928 wurde die Vereinsfahne in München für 480 Reichsmark renoviert. Vizepräses Josef Pirkl konnte 1932 seine 30jährige Vereinszugehörigkeit und 20 Jahre als Vizepräses feiern.

1933 - 1945: ,,Der Gesellenverein im Dritten Reich''
Der 1. Deutsche Gesellentag in München am 11./12. Juni 1933 musste wegen SA-Terrors vorzeitig abgebrochen werden. Die drei Oberstdorfer Teilnehmer mussten zu ihrer Sicherheit abreisen.
Im Herbst 1933 erfolgte, von oben verordnet, die ,,Umstellung des Vereins zum Führerprinzip''. 1934 wurde die Teilnahme des Gesellenvereins an Fronleichnamsprozessionen verboten und das Vereinsleben so eingeschränkt, dass es bald fast ganz zum Erliegen kam.
Vom Januar bis April 1936 wurde Versammlungsverbot erlassen.

1938 Aufstellen des Kreuzes auf dem Hohen Licht

1938 Aufstellen des Kreuzes auf dem Hohen Licht

11. September 1938:
Errichtung des Gipfelkreuzes auf dem Hohen Licht (2650 m). In einer Zeit, in der es nicht mehr üblich war, Zeichen des Glaubens zu setzen, versammelten sich Kolpingmitglieder um das von ihnen errichtete Gipfelkreuz.


Vom 6. November 1938 bis 6. Juni 1948 fehlen jegliche Einträge im Protokollbuch.

Neuanfang nach dem Krieg: Die Besatzungsmächte ließen das Vereinsleben anfänglich nicht hochkommen. Trotzdem wurde die Kolpingidee von der ,,alten Garde'' unter der Leitung des ehemaligen Seniors Ludwig Dentler weitergeführt.

1948: Am 6. Juni war die erste Generalversammlung mit Wahl der gesamten neuen Vorstandschaft.
Erste größere Aktionen waren die Bergmessen am Rappenseekreuz und auf dem Hohen Licht (10. Jahresfeier der Kreuzerrichtung) sowie im November eine Sammelaktion für das Kinderflüchtlingslager Moschendorf.
Die Theaterspieltradition wurde von Jungkolping wieder aufgenommen, auch im sportlichen Bereich gab es die ersten Veranstaltungen.

1949: stieg die Mitgliederzahl um 19 Neumitglieder auf 56 an.

1950: Feier des goldenen Vereinsjubiläums mit dem Gründerpräses Pfarrer Schiebel, dem Diözesanpräses Dr. Zimmermann (später Weihbischof) und dem Ortspräses, Benefiziat Zehter.
Erster Verkauf von ,,Bausteinen für ein neues Kolpinghaus'' an den Kirchentüren. Der angestrebte Neubau wurde bis hinauf zu den Regierungsstellen jahrelang verhindert. Der eigens zum Bau gegründete Verein wurde 1959 wieder aufgelöst.

1951: Josef Pirkl konnte auf 40 Jahre als Vizepräses zurückblicken.
Erste Gründung einer Jungkolpinggruppe mit 15 Mitgliedern.

Ab 1952: Beginn von Freundschaftsbeziehungen (Besuchen und Gegenbesuchen) mit anderen Kolpingfamilien, so mit Nieheim/Westfalen, Forchheim und Herboltsheim.

Besuch von Oberstdorfer Kolpingern in Herboltsheim
Besuch von Oberstdorfer Kolpingern in Herboltsheim

2. Oktober 1958: Treffen der ehemaligen Präsides Johannes Schiebel (87 Jahre), Alois Eß (84), Dr. Mayer, Josef Baur, Hans Stiefenhofer, Ludwig Merk und Georg Zehter zusammen mit dem neuen Präses Klemens Schwandner.

1960: 60-jähriges Gründungsfest mit dem Gründungspräses Johannes Schiebel und einem seiner Nachfolger, Josef Baur.

60-jähriges Gründungsfest
60-jähriges Gründungsfest

1961 Ein eigenes Haus: Theodor Huber, im Alter von 82 Jahren am 28. 2. 1961 verstorben, vermachte Haus, Hof und Garten in der Nebelhornstr. 11 der Kolpingsfamilie. Zur Verwaltung und Finanzierung des Hauses wurde der Verein ,,Kolpinghaus Oberstdorf e.V.'' gegründet.
Das Vereinsleben nahm von da ab neuen Aufschwung: Mitgliederzahl 1962: 102.

18. Februar 1963: Tod des Gründungspräses Johannes Schiebel. Beisetzung auf dem Burgfriedhof in Schöllang.
Ab 1966 wurde der Aufbau von Jungkolpinggruppen betrieben. Josef Hindelang war damals der Mann der ersten Stunde für die Jugendarbeit.

15. Dezember 1968: Präses Klemens Schwandner wurde verabschiedet. Es war weitgehend sein Verdienst gewesen, dass die Kolpingfamilie ein eigenes Haus bekommen hatte.
Bald wurden auch Mädchen in die Kolpingjugend aufgenommen und erwiesen sich als wichtige Stütze der Vereinsarbeit. 1971 führte Helene Roob als Mädchenleiterin ihre erste Gruppenstunde durch.

11. Mai 1972: Offizielle Aufnahme von 9 Mädchen durch Präses Manfred Gohl. Sie waren die ersten weiblichen Mitglieder in der Kolpingfamilie Oberstdorf.
In den folgenden Jahren wurde die Arbeit in Jungkolping und in der Gruppe Junge Erwachsene kontinuierlich ausgebaut.
Auch in der Altersgruppe Erwachsene fand ein reges Vereinsleben mit vielen Aktivitäten in verschiedensten Bereichen statt.1975 bestanden sechs Jugend- und drei Erwachsenengruppen. Für sie war das alte Haus in der Nebelhornstraße viel zu klein.

1975/76: Neubau des Kolpinghauses in der Oberen Bahnhofstraße.

25./26. September 1976: Einweihung des neuen Kolpinghauses in der Oberen Bahnhofstr. 10 und 75-Jahr-Feier der Kolpingfamilie Oberstdorf.
Nun war es Aufgabe der Kolpingfamilie, eine Hausordnung aufzustellen und das Haus mit Leben zu füllen. Bei der Generalversammlung im Oktober wurde beschlossen, jeden Monat eine öffentliche Veranstaltung durchzuführen, die von den jeweiligen Alters- und Sachgruppen turnusmäßig gestaltet wird.
Bei den Neuwahlen wurden Albert Vogler zum ersten und Walter Moißl zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Präses war weiterhin Benefiziat Manfred Gohl.

Rappenseemesse mit Präses Manfred Gohl

Rappenseemesse mit Präses Manfred Gohl


In den folgenden Jahren nahmen sich die Alters- und Sachgruppen einer Fülle verschiedenster Themen- und Lebensbereiche an. Es ging um religiöse, soziale, kulturelle, politische, familiäre, musische und persönlichkeitsbildende Belange. Hier einige Beispiele:
Schwerpunkte im Jahr 1977 waren eine Anti-Alkohol-Kampagne, die Kommunalpolitik, religöse Gesprächsabende, Thema Sexualverbrechen, Kinderfest (wie auch in den kommenden Jahren) und wie schon früher und in den Jahren danach das jährliche Hüttenlager der Jungkolpinggruppen. Weit länger als ein Jahr lang bestand unter der Leitung von Günther Lindauer ein Jugendchor, der etliche Jugendgottesdienste und einen Firmungsgottesdienst musikalisch gestaltete.
Paula Lindauer führte einen Batikkurs durch und mehrmals wurden Kochkurse und Rhetorikkurse angeboten.
Messe und Frühstück am Palmsonntag (später am Passionssonntag) und am Kolpinggedenktag, die Betstunde am Gründonnerstag sowie die Rappenseemesse sind eine ständige Einrichtung.
Dazu kamen die aktive Teilnahme an der LUMEPA, Adventsfeier, der schon traditionelle Weihnachtsbasar für soziale Zwecke, der Nikolausdienst, das jährliche Schafkopfturnier und Spielabende.
Der Familienkreis (später zwei) hielt regelmäßige Treffen ab und unternahm gemeinsame Ausflüge mit den Kindern.
Außerdem richtete die Kolpingsfamilie die Diözesan-Skimeisterschaften (bis zu 200 Teilnehmer) am Höllwies und in der Faistenoy aus (dies auch in den Jahren 1982 und 1985).
Am 8. Oktober 1979 wurde das neue Gipfelkreuz auf dem Hohen Licht errichtet und in einem Gottesdienst von Präses Karl Rottach gesegnet. Dabei waren 41 Teilnehmer.

2. Dezember 1979: Auf der außerordentlichen Generalversammlung wurden Albert Kappeler zum neuen 1. und Hubert Werner zum 2. Vorsitzenden gewählt.
Ein wesentlicher neuer Schwerpunkt kam nun immer mehr in den Vordergrund: die weltweite Verantwortung des Kolpingverbandes für die Entwicklungsarbeit in der Dritten Welt. Indien rückte durch die Gründung der ,,Indien-Aktion'' im Diözesanverband mehr und mehr in die Mitte des Interesses.
Die Weihnachtsbasare auf dem Marktplatz wurden nun vor allem zugunsten der ,,Indien-Aktion'' durchgeführt. Ab 1987 trat der Kolping-Bratwurststand auf dem kommunalen Christkindlesmarkt an seine Stelle und war bisher immer recht erfolgreich.
Die Jungkolpingarbeit war inzwischen zu einem tragenden Element innerhalb der Kolpingfamilie mit eigener Leiterrunde und auch eigener Kassenführung geworden. Es bestanden über Jahre hinweg immer mehrere Gruppen in verschiedenen Altersstufen.
Neue Zeiten in der Kolpingsfamilie brachte die Generalversammlung im

März 1986: Neben Walter Moißl als Erstem Vorsitzenden wurde mit Monika Werner als Zweiter Vorsitzende erstmals eine Frau in die Vorstandsspitze gewählt.

Von 1988 bis 1991: stellte der Vorstand jeweils ein komplettes Jahresprogramm auf mit Angeboten in geselligen, religiösen, kulturellen, politischen und allgemeinbildenden Bereichen. Hier sind speziell auch die Opern-Fahrten nach Verona zu erwähnen. Das Interesse der Mitglieder und auch das allgemeine Interesse an diesen Veranstaltungen nahm allerdings immer mehr ab, so dass diese Form der Programmgestaltung wieder aufgegeben wurde.

Februar 1992: Martin Rees löste den bisherigen Vorsitzenden Walter Moißl ab. Auf der Klausurtagung im Juli wurde beschlossen, auf das feste Programm zu verzichten und sich mehr auf verschiedene aktuelle Aktionen zu konzentrieren.
Solche aktuellen Aktionen waren schon 1991 die Gestaltung eines Sommerferienprogrammes und 1992 eines Adventsnachmittages für die Aussiedlerkinder aus Tiefenbach und Schöllang.
Weiterhin wurde eine heimatkundliche Informationsreihe mit dem Namen ,,Isa Huimat'' gestartet.

Am 3. Juni 1993 starb Ludwig Dentler, der als Senior nach dem 2. Weltkrieg für den Wiederaufbau der Kolpingfamilie Oberstdorf maßgebend verantwortlich gewesen war. Sein gerolltes ,,R'' in der Aussprache wird noch so manchem im Gehör verhaftet sein.

Im März 1994 wechselte Pfarrer Karl Rottach von Oberstdorf nach Schongau und verabschiedete sich somit auch als Präses von unserer Kolping-familie.

April 1995: Der neue Pfarrer Peter Guggenberger wurde auf der Mitgliederversammlung zum Präses der Kolpingfamilie gewählt.

Dezember 1995: Am Kolpinggedenktag feierten wir das 95-jährige Jubiläum der Kolpingfamilie, zu dem auch alle ehemaligen Mitglieder eingeladen waren. Ca. 400 Einladungen waren verschickt worden. Das Kolpinghaus war bis auf den letzten Platz besetzt.

1991 – 1997: Die ,,Indien-Aktion'' gewann zunehmend an Bedeutung und bescherte uns einige Besuche aus dem fernen Subkontinent: 1991 die Musikgruppe des Kolpingwerks aus Kerala in Südindien, 1993 die ,,Oraon-Perwan-Dancers'', 1994 den indischen Kolping-Zentralpräses, Victor Santiago, und schließlich 1997 eine zehnköpfige Delegation von Kolping Indien, wieder mit Victor Santiago.

Februar 1996: Im Vorfeld der Gemeinderatswahlen wurde ein ,,Kommunalpolitischer Frühschoppen'' mit Kandidaten aller für den Gemeinderat kandidierenden Listen veranstaltet.

3. Juni 1996: Der Kolping Kinderkleider Bazar (KKB) öffnete seine Pforten im Kurhaus. Er entwickelte sich schnell zu einem bestens angenommenen Angebot. Nach drei Jahren in beengten Räumen im Kurhaus ist er jetzt in den Jugendräumen im Kolpinghaus untergebracht.

7. Dezember 1997: Die ,,Aktion 100'' wurde gestartet mit dem Ziel, bis zum Ende des Jubiläumsjahres 2000 für 100 indische Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben, die Unterstützung für ein eigenes Häuschen (ca. 35m2 Grundfläche) zu geben. Sie bestimmt seitdem wesentlich das Vereinsleben und wird mit Sicherheit erfolgreich abgeschlossen werden.

Januar 1998: Mit der Beitragsneuordnung bot der Kolping-Bundesverband die Möglichkeit, Kinder jeden Alters in die Kolpingfamilie aufzunehmen. Es wurde ein echter Familienbeitrag eingeführt. Diese Chance wurde vielfach erfreut wahrgenommen und unsere Mitgliederzahl stieg sprunghaft an.

Frühjahr 1998: Unter Mithilfe des Augsburger Diözesansekrtärs Michael Breitsameter wurde für den Kolpinghaus e.V. eine neue Satzung erarbeitet.

Sommer 1998: Die Vorbereitungen zum 100. Jubiläum liefen an. Es wurde beschlossen, sich um die Ausrichtung der Kolping-Diözesanversammlung im Jahr 2000 zu bemühen.

August 1998: Vom Finanzamt Kempten wurde der Kolpingfamilie Oberstdorf die Gemeinnützigkeit zuerkannt.

Dezember 1998: Der erste ,,Kunsthandwerkliche Adventsmarkt'' fand im Johannisheim statt. Aus diesem Anlass begingen wir an diesem ersten Sonntag im Dezember unseren Kolpinggedenktag das erste Mal seit langem außerhalb unseres Kolpinghauses.

2. Dezember 1999: Die Jubiläumsfeierlichkeiten der Kolpingfamilie Oberstdorf begannen. Im Johannisheim wurde im Beisein von Landrat Gebhard Kaiser und allen Bürgermeistern von Oberstdorf (Geyer, Huber, Vogler) das Jubiläumsjahr eingeläutet.

Eröffnung 100 Jahre Kolpingsfamilie Oberstdorf
Eröffnung 100 Jahre Kolpingsfamilie Oberstdorf

Senioren des Gesellenvereins / Vorsitzende der Kolpingfamilie 1900-2000

Mai 1900 Josef Zeller
Januar 1901 Joseph Huber
Januar 1904 Anton Jäger
Januar 1906 Heinrich Dürr
Januar 1907 Andreas Wirth
Januar 1910 Alban Frei
Januar 1911 Karl Sinz
Januar 1912 Leonhard Wallner
Oktober 1914 Otto Kerle
Januar 1915 Karl Sinz
Mai 1916 Max Prestele
September 1916 Joseph Herberg
März 1919 Simon Aigner
April 1921 Dionys Guggemos
Januar 1923 Max Jäger
Januar 1924 Julius Euler
Januar 1928 Adolf Thannheimer
Januar 1930 Adalbert Lang
Mai 1930 Paul König
Januar 1932 Alois Koch
November 1933 Karl Witsch
April 1935 Ludwig Dentler
1938 – 1948 Verbot jeglicher Vereinsarbeit
Juni 1948 Xaver Fink
März 1949 Helmut Reich
März 1950 Franz Diringer
März 1952 Ludwig Herzog
März 1954 Georg Geg
Oktober 1955 Albert Hagspiel
Mai 1958 Adolf Schleich
März 1961 Manfred Beer
März 1963 Hubert Müller
März 1964 Albert Vogler
Januar 1968 Walter Moissl
März 1969 Theo Brucksch
14. Januar 1973 Umbenennung vom Senior zum 1. Vorsitzender
Januar 1973 Manfred Gohl
September 1976 Albert Vogler
Dezember 1979 Albert Kappeler
März 1986 Walter Moißl
Februar 1992 Martin Rees

Präsides des Gesellenvereins / Kolpingfamilie

April 1900 Johannes Schiebel
Oktober 1901 Aloiß Eß
Juli 1909 Dr. Georg Gromer
September 1913 Josef Mayer
Juni 1916 Johann B. Witzigmann
Januar 1925 Ludwig Merk
Oktober 1936 Georg Zehter
Oktober 1953 Josef Baur
November 1956 Hans Stiefenhofer
Oktober 1958 Klemens Schwandner
Januar 1971 Manfred Gohl
Dezember 1978 Karl Rottach
seit: April 1996 Peter Guggenberger

Dank an alle Vorstandsmitglieder

Aber nicht nur den namentlich Aufgeführten ist für ihr Engagement zu danken, sondern ebenfalls allen Schriftführer/innen, Kassierern, Vizepräsides, Altersgruppen- und Sachbereichsleiter/innen. Sie alle haben die Vorstandsarbeit unserer Kolpingfamilie mit ihrem Sachverstand und ihrer Besonnenheit in nun 100 Jahren geprägt.

Die Fahnenweihe

Zur Segnung der neuen Vereinsfahne am 29. Mai 1901 erschien in der Zeitung ein Bericht, der für uns heute die Sprache der damaligen Zeit wiedergibt. Die Begeisterung des jungen Gesellenvereins, der gerade ein Jahr alt war, sowie der Festbesucher und Festredner, wird in überschwenglicher Art beschrieben. Dieser Bericht wurde erst im Jahr 1998, neben vielen anderen Unterlagen, im Hause der Familie Gronegger, früher ,,Kiefar Donelar'', bei einer Dachbodenentrümpelung wieder entdeckt.

Fahnenweihe 1901. Als Pate fungierte der Gesellenverein Sonthofen
Fahnenweihe 1901. Als Pate fungierte der Gesellenverein Sonthofen

Oberstdorf, 29. Mai 1901

(Fahnenweihe) In erhebender Festesfeier wurde am Pfingstmontag, hart am Fuße des Hochgebirges, am südlichsten Punkte Bayerns, in dem herrlich gelegenen Oberstdorf, die Kolpingfahne aufgerichtet. Unter den 10 Brudervereinen, die zum Theil aus weiter Entfernung, wie aus München, mit ihren Vereinsfahnen herbeigeeilt waren, hatten sich auch Ost- und Westallgäu, die Vereine von Füssen und Lindau, mit einer Deputation, sowie den beiderseitigen Herren Präsides eingefunden. Die kirchliche Weihe, der im Taubstummeninstitut in Dillingen angefertigten prächtigen Fahne wurde Vormittags 10 Uhr in Verbindung mit Festpredigt und Festgottesdienst vom Ortspfarrer, dem kgl. Geistlichen Rathe Hochw. Herrn. Alois Heinle vorgenommen. Daran schloß sich auf dem Festplatze vor der Kirche die feierliche Überreichung der Fahne an den Verein, wobei der Nachbarverein Sonthofen die Pathenstelle vertrat. Nach einem kleinen Festmahl im Hotel ,,Luitpold'' begab man sich um 2 Uhr zu einem Nachmittagsgottesdienst in die Kirche, worauf der Festzug durch die Straßen des herrlichen Marktes, dessen Häuser fast ausnahmslos Kranz- und Flaggenschmuck zeigten, sich zur Festhalle vor dem Orte bewegte. Dort hielt vor einer gewaltigen Zuhörerschar der Diözesanpräses der Gesellenvereine, päpstlicher Ehrenkämmerer und bischöflicher Geistlicher Rath Hochwürdiger Herr Max Steigenberger von Augsburg die Festrede. Zu hinreißenden Worten richtete er an die Versammlung drei Rufe der Mahnung, die er angesichts der Naturschönheiten der Gegend in die poetischen Worte kleidete:
,,Klar wie der Bach!'' – sollen sein die Vereinsziele eines jeden katholischen Gesellenvereines;
,,Fest wie der Berg!'' – soll sein das unerschütterliche Festhalten eines jeden Vereinsmitgliedes zur Vereinsfahne und den Vereinsdevisen;
,,Treu wie der Tann!'' – der nie sein Grün ablegt, so soll die Begeisterung des heutigen Tages und der echte Vereinsgeist in allen Gesellenvereinen andauern ohne Erlahmen!
Begeistert durch die Worte der meisterhaften Festrede und den Eindruck des Festes überhaupt schieden gegen Abend die auswärtigen Vereine von dem schönen Festorte, den Wunsch im Herzen, dem wir an dieser Stelle Ausdruck geben möchten: Der neue jugendliche Verein von Oberstdorf, der in kurzer Zeit so schön auflebte, er möge sich fortentwickeln und gedeihen mit all' seinen Brudervereinen.

(Allgäuer Zeitung 1901)

Der Weg ist das Ziel – Unser Kolpinghaus

Das Ziel der Kolpingsfamilie (damals Kath. Gesellenverein) war sicher seit der Gründung vor 100 Jahren schon klar umrissen: den arbeitslosen, haltlosen und unzähligen wandernden Gesellen eine geistige, aber vor allem auch irdische Heimat zu bieten. Wichtig für sie alle war damals eine Unterkunft, ein Dach über dem Kopf, ein Haus, wo sie sich treffen und bilden, Probleme austauschen, aber auch in geselliger Runde feiern und sich freuen konnten. Diesen langen Weg bis heute - wenn auch vielleicht mit einer etwas veränderten Zielsetzung - versuche ich zu beschreiben.

In den ersten Jahren übernahmen diese Funktion das ehemalige Trettach- Hotel, der Gasthof Adler, der Gasthof Hirsch und später auch das Johannisheim. Einige Anläufe schon vor dem 2. Weltkrieg, sich ein eigenes Heim zu schaffen, scheiterten leider, und so träumte man dann in den 50er Jahren weiter.

ehemaliges Anwesen Theodor Huber Nebelhornstraße 11   Altes Kolpinghaus seit 1961
ehemaliges Anwesen Theodor Huber Nebelhornstraße 11
Altes Kolpinghaus seit 1961

Alle konnten das Wunder kaum fassen, als wir 1961 durch die Vermittlung von unserem damaligen Präses Klemens Schwandner von Herrn Theodor Huber als Teilerben mit dem Haus in der Nebelhornstraße Nr. 11 bedacht wurden. Neben der Freude, sich nun in einem eigenen Haus in Theodors Stube am Kachelofen treffen zu können, gab es natürlich auch jetzt manche Probleme und Formalitäten zu bewältigen. Schon ein Jahr zuvor mußte am 4. Januar 1960 ein eigener eingetragener Verein gegründet werden, um diesen Besitz rechtmäßig antreten zu können.
Der Wunsch aller Mitglieder war: Dieses Heim soll in erster Linie den Oberstdorfer Mitgliedern ein Zuhause bieten. Der ,,Kolpinghaus Oberstdorf e.V.'' wurde dann am 25. Februar 1960 eingetragen.

Die Männer dieser ersten Stunde waren:
Präses Klemens Schwandner, Rudi Ammann, Ludwig Dentler, Nikolaus Fischer, Karl Götzberger, Adalbert Hindelang, Alois Koch, Georg Rees, Helmut Reich, Adolf Schleich und Karl Walter.

Bald standen neue Fragen an: Die Begeisterung war groß, Jungkolping wurde gegründet, Mädchen und Frauen trauten sich zu uns, Räume wurden benötigt. In regelmäßigen Vorstandsrunden – einmal sogar in der aufgerissenen Nebelhornstraße - versuchten wir alles zu besprechen. Etwas Neues für uns war: Jugendarbeit braucht nicht nur Raum, Zeit, und gut geschulte Gruppenleiter, - nein, sie braucht auch das Verständnis der Nachbarn. Ein Ausspruch eines Nachbarn aus jener Zeit aus der Kirchstraße war: ,, Mei Oide steht senkrecht im Bett, wann Ihr so laut seid''.

Die nächsten Jahre waren nun geprägt vom Gedankenaustausch in der Kolpingfamilie und im Kolpinghaus e.V: Wie soll's weitergehen? - Keine leichte Entscheidung! Sollen wir umbauen, evtl. einen Neubau erstellen mit Beteiligung anderer, verkaufen und den Standort wechseln oder uns an einem Pfarrzentrum beteiligen? - All dies wurde ausgiebig diskutiert.

Im Oktober 1975 war es dann so weit. Nach langen Verhandlungen mit Herrn Fidel Huber, der Gemeinde, den Nachbarn und unserer Untermieterin Frau Elisabeth Janak erfolgte der Spatenstich für unser neues Kolpinghaus in der Oberen Bahnhofstraße.

Die Planung lag in den Händen von Architekt Sepp Noichl, die Finanzierung konnte mit der Tauschaufgabe von Herrn Huber, einem Darlehen der Diözese, der Raiffeisenbank, der Lorettostiftung, des Kolpingmitgliedes Alois Koch, mit verschiedenen Zuschüssen und 2500 freiwilligen Arbeitsstunden gesichert werden. Fast die gesamte Elektroinstallation, die Malerarbeiten und die Außenanlagen erledigten wir, unter fachlicher Anleitung, in Eigenregie. Eine Anekdote dazu: Bei den Anstricharbeiten an der Außenfassade fiel uns leider der einzige gelernte Malergeselle samt Farbe vom Gerüst. Wir Laien malten weiter. Die Gesamtkosten inklusive Innenausbau (ohne Grundstück) beliefen sich auf ca. 750 000 DM.

Unser Traum von einem eigenen Kolpinghaus war nun in Erfüllung gegangen und so war die Freude bei der Einweihung am 25./26. September 1976 riesig, gemeinsam mit Weihbischof Manfred Müller und unserem Kolping.- Generalpräses Heinrich Festing. Wir durften stolz sein – besaßen wir nun doch einen großen Veranstaltungsraum, unser geliebtes Stüble, eine kleine Küche, das geräumige Foyer, Garderobe und Toiletten, im Keller großzügige Jugend- und Funktionsräume und in den Obergeschossen Wohnungen, die ja für die Finanzierung so dringend nötig waren.

Neues Kolpinghaus in der Oberen Bahnhofstraße 10
Neues Kolpinghaus in der Oberen Bahnhofstraße 10

Eine neue Ära der Kolpingfamilie konnte beginnen. Trotzdem durfte sich die damalige Vorstandschaft des Kolpinghaus e.V., Präses und 1. Vorsitzender Manfred Gohl, 2. Vorsitzender Ludwig Dentler, Schriftführer Albert Hagspiel und Kassier Albert Vogler, nicht zurücklehnen. Zusammen mit den Mitgliedern galt es das Haus mit Leben zu füllen und zu erhalten. Ein Hausmeisterehepaar sollte uns, bei einem günstigen Mietpreis, manches abnehmen und für Sauberkeit und Ordnung sorgen. Es galt nun neue Mieter auszusuchen, Belegungspläne zu schmieden, und schon gleich bei der nötigen Hausordnung waren wir wieder mit Jungkolping in der Diskussion: Wer darf was? Wer hat Verständnis? Wer trägt Verantwortung? usw.
Im November 1976 legte Präses Gohl sein Amt als erster Vorsitzender des Haus e.V. nieder, und seit dieser Neuwahl ist Theodor Brucksch der ,,Chef''. Zur weiteren Finanzierung und um einem verdienten Mitglied eine Wohnung bieten zu können, starteten wir 1979 für Walter Moißl den Dachbodenausbau. So ist es nun mal, ein eigenes Heim verpflichtet. Theo übernahm den Belegungsplan für die freien Raumkapazitäten, um so wieder einen Teil der Einnahmen zu erzielen. Sollte die Kolpingsfamilie die Räumlichkeiten nicht benötigen, hatten wir die verschiedensten Gruppen zu Gast, die Pfarrei, Kindergärten und Kinderbetreuung, Ambulante Krankenpflege, die Kurseelsorge, verschiedene Vereine, politische Gruppierungen, Nachhilfeunterricht, Tanzgruppen, Fahrschule, Kolping-Bildungswerk, Gymnastik, usw.

Es dauerte nicht lange, da tauchten wieder Umbau- und Änderungswünsche auf: Jungkolping-Kücheneinbau, Raumgestaltung, Kinderspielplatz, Fahrradüberdachung, unser Kolping-Emblem am Haus, der Schaukasten, die Antennenanlage. Wir benötigten neues Geschirr, eine Fernseh-Videoanlage, einen Trockner, eine Spülmaschine. Mit der Zeit standen dann auch die ersten Reparaturen an: Die Dachfenster mußten wir erneuern, die üblichen Malerarbeiten, im Hof das neue Pflaster, wie gesagt: Vom verstopften Kanal bis zum blauen Badewasser im Foyer hatten wir alles.

Dank eines gut durchdachten Konzeptes und einer gesunden Finanzierung konnten wir vieles lösen: dem Verein Räumlichkeiten bieten, anderen aushelfen, günstige Mietpreise halten und unsere Schulden abbezahlen. Mit den Jahren hatte sich sogar ein Spargroschen angesammelt, sodass sich der Kolpinghaus e.V. im Jahr 1996 entschloss, über die Marktgemeinde und das SWW eine zusätzliche Wohnung in der Heinrich-Zirkelstraße zu kaufen. Der soziale Gedanke , in erster Linie Familien und dann auch eigenen Mitgliedern eine günstige Wohnung anbieten zu können, ließ uns diesen Schritt tun. (Bei der Einweihung ging es so hoch her, dass einige sogar die Schuhe, die wir vor Betreten der Wohnung ausziehen mußten, verwechselt haben sollen. Außerdem sparte der neue Mieter fürchterlich am Heizöl, was sich zwar auf die Raumtemperatur, nicht aber auf die Stimmung niederschlug.).

Im Jahr 1999 war nun die Satzung des Kolpinghaus e.V. an der Reihe. Wir haben sie gänzlich überarbeitet und der heutigen Zeit angepaßt. Um uns in die Solidargemeinschaft der Kolpinghäuser einzureihen, sind wir dem ,,Kolpinghaus Hilfsfond'' unseres Diözesanverbandes beigetreten. Nun hoffen und wünschen wir, daß die Idee des Gesellenvaters Adolph Kolping, die sich jetzt schon 100 Jahre mit einigem Auf und Ab in Oberstdorf gehalten hat, auch weiterhin besteht und vom Segen von oben begleitet wird, zum Nutzen für unsere Gemeinschaft und zur Freude Vater Kolpings.

Der Kolpinghaus Oberstdorf e.V.

Die Gründungsversammlung des Kolpinghaus e.V. fand am 4. Januar 1960 statt. Gründungsmitglieder waren: Benefiziat Clemens Schwandner, Ludwig Dentler, Adolf Schleich, Nikolaus Fischer, Georg Rees, Helmut Reich, Karl Götzberger, Adalbert Hindelang, Rudi Ammann, Alois Koch, Karl Walter.

Die erste Vorstandschaft wurde am 1. Juni 1961 gewählt: 1. Vorsitzender: Clemens Schwandner, 2. Vorsitzender: Ludwig Dentler, Kassierer: Nikolaus Fischer, Schriftführer: Albert Hagspiel

Von 1971 bis 1976 war Benefiziat Manfred Gohl 1. Vorsitzender, seitdem hat Theo Brucksch dieses Amt inne. Nach dem Tod von Ludwig Dentler übernahm Walter Moißl den 2. Vorsitz. Kassierer ist seit 1964 Albert Vogler, und Michael Echtler wurde 1998 zum neuen Schriftführer gewählt.

Die Mitglieder des Kolpinghaus Oberstdorf e.V am 1.1.2000:

Pfarrer Guggenberger Präses
Theo Brucksch 1. Vorsitzender
Walter Moißl 2. Vorsitzender
Michael Echtler Schriftführer
Albert Vogler Kassierer
Martin Rees 1. Vorsitzender KFO
Monika Werner 2. Vorsitzende KFO
Bernd Bußjäger Jugendleiter
Heinz Gams (Mitglied des Kolpingwerkes)
Albert Kappeler
Eugen Ländle
Albert Hagspiel
Adolf Schleich
Rudi Ammann
Josef Ohmayer
Georg Rees
Elfriede Engelhard

Junge Erwachsene – ,,Ursprungsgruppe'' des Gesellenvereins

,,Da ist was faul im Staate Dänemark!'', rief erregt ein Mitglied der Kolpingsfamilie in einer Generalversammlung den Anwesenden zu.
Was war faul?
Eigentlich nichts und niemand. Weder das erregte Kolpingmitglied, welches Sorgen hatte, ob die Neuerungen im ,,Gesellenverein'' alle ihre Richtigkeit haben, und schon gar nicht Charly Lindauer, der vehement die Ansicht vertrat, dass eine Gruppe ,,Junge Erwachsene'' im Alter zwischen 18 und 30 Jahren eigenständig sein muß: mit einem eigenen Profil, in einer eigenen Altersgruppe, mit eigenständigem Programm. Das war‘s!
Charly Lindauer, der erste Leiter dieser Gruppe ,,Junge Erwachsene'', hatte 1973 die Treffen an den Kolpingabenden getrennt. Bis dato traf sich einmal im Monat die gesamte Kolpingfamilie, ob Jung oder Alt. Die behandelten Themen konnten also allenfalls ein Kompromiss sein. Die Trennung war für die Gruppe ,,Junge Erwachsene'' belebend. Es kamen ständig neue Mitglieder dazu. Das Programm war zeitgemäß, wurde von den Gruppenmitgliedern selber zusammengestellt und zum Teil auch mit Hilfe des Gruppenleiters durchgeführt.
Charly Lindauer zog 1976 nach Sonthofen und 1978 weiter nach Pfronten in das Kolping-Familienferienheim, welches er und seine Frau Paula noch heute leiten.
1977 übernahm Reinhard Seitz eine zweite Gruppe ,,Junge Erwachsene''. Diese Gruppe wurde ab 1979 zusammen mit Monika Werner gemeinsam geleitet.

Der Familienkreis beim Rodeln
Der Familienkreis beim Rodeln

Ein neuer Begriff im Kolpinghaus – der ,,STÜBLEABEND''

Die Gruppe ,,Junge Erwachsene'' wollte mit der Einführung des ,,Stübleabend'' wieder einen Treffpunkt für die ganze Kolpingfamilie organisieren. Von 1979 bis 1989 gab es diese Einrichtung im Stüble des Kolpinghauses. Es war ein Auf und Ab. Mal sehr gut besucht, dann wieder kurz vor der Aufgabe. Ein lockerer Treff zum ,,Huigarte''. Es gab etwas zu trinken und oft bereitete der ,,Stübleswirt'' eine kleine Brotzeit vor. Untrennbar mit dem ,,Stübleabend'' ist der Name Manfred Riedmaier verbunden. Er war der ,,Stübleswirt'', der sich auch besonders in den Zeiten engagierte, in denen es nicht so lief.

Themen: Von Antialkoholkampagne bis zu Jesus

Die bunte Themenvielfalt im Leben der Gruppe ,,Junge Erwachsene'' spiegelt nicht nur das vielfältige Interesse der zahlreichen Gruppenmitglieder, sondern auch den Zusammenhalt innerhalb dieser Gruppe. Schwerpunktthemen waren auch schon damals aktuell und beliebt: 1977 eine Antialkoholkampagne, ,,Hallo Partner - Danke Schön'', ,,Jesus - neu gefragt?'', 1984 ,,Kommunalpolitik im Brennpunkt'', eine Kulturreihe und noch einige Themen mehr. Immer gab es mehrere Abende zu einem Thema und meistens wurden die Schwerpunkthemen auch der Öffentlichkeit in Form von Zeitungsartikeln vorgestellt.

Kommunalpolitik im Brennpunkt

Auch der Besuch einer Gemeinderatssitzung ist geplant

OBERSTDORF(stz) – Die Gruppe Junge Erwachsene (18 bis 30 Jahre) der Kolpingsfamilie Oberstdorf hat sich bei ihren letzten Zusammenkünften, die jede Woche am Dienstag um 20 Uhr im Kolpinghaus Oberstdorf stattfinden, auf ein neues Programm geeinigt. Der Schwerpunkt dieses Halbjahresprogramms liegt wegen den Gemeinderatswahlen im März diesmal im politischen Bereich. An verschiedenen Abenden will man sich über Struktur, Aufgaben und Arbeitsweise eines Gemeinderates informieren. Außerdem sollen aktuelle Themen des Ortes diskutiert werden.

(Allgäuer Anzeigenblatt)

Neues Programm der Kolpingsfamilie Oberstdorf

Es waren aber nicht nur die Themen, welche die Gruppe ,,Junge Erwachsene'' so lange zusammenhielten, sondern vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl, die vielen gemeinsamen Feste, Fahrten und das daraus resultierende Vertrauen zueinander.

Neue Gruppen und viele Veränderungen

Im Februar 1982 übernahmen Michael Lindauer, Elli Menz und Herbert Hiemer die Verantwortung über eine neue Gruppe ,,Junge Erwachsene'', die sich jede Woche am Freitag traf. Im Oktober 1984 wurde der Grundstock für eine weitere Gruppe mit Martin Rees als Gruppenleiter gelegt. Bei der Generalversammlung im März 1986 wurde Alfred Spötzl als Gesamtleiter für die Gruppen ,,Junge Erwachsene'' in den Vorstand gewählt.
In der Gruppe von Monika Werner und Reinhard Seitz heirateten immer mehr Gruppenmitglieder. In dieser Phase wurde auch klar, dass die Gruppe ,,Junge Erwachsene'' eine Übergangsphase vom Jugendlichen bis zur Gründung einer Familie darstellte. Die Gruppe wurde 1987 aufgelöst. Reinhard Seitz hatte diese Gruppe von Jungkolping bis zur Gründung eines Familienkreises 15 Jahre lang geleitet.
Michael Henschel zeigte sich 1992 für ,,Junge Erwachsene'' verantwortlich. Diese Gruppe wurde dann 1993 ohne Gruppenleiter weitergeführt. Das Ende des Altersbereiches ,,Junge Erwachsene'' kam auf der Zentralversammlung des Kolpingwerkes 1994. Hier wurden die Altersstrukturen und Sachbereiche neu geregelt. Es gibt heute nur noch eine Kolpingjugend von 0 - 30 Jahren.

Ehe und Familie – zum Wohl der Gemeinschaft

Im Programm des Internationalen Kolpingwerkes wurde festgeschrieben: ,,Ehe und Familie stellen für das Kolpingwerk die wichtigste Voraussetzung zur personalen Entfaltung des Menschen und damit auch für die Entwicklung einer menschenwürdigen Gesellschaft dar.'' Dies wurde von der Kolpingsfamilie erkannt und versucht, innerhalb des Vereinslebens den Familien einen entsprechenden Platz zu geben und ihnen Hilfen anzubieten. Adolf Schleich hatte sich Anfang der 70er Jahre bereit erklärt, als Leiter des Sachausschusses ,,Ehe und Familie'' diesen Bereich abzudecken. Der Familienkreis von Adolf Schleich hatte seine Zusammenkünfte alle zwei Monate. Schon damals gab es Familien-Bildungs-Wochenende, welche meist vom Bezirk organisiert waren. Aus verschiedenen Kolpingfamilien traf man sich in einer Familienferienstätte (Wertach oder Pfronten) und verbrachte ein thematisches gemeinsames Wochenende mit den Kindern.
1977 übernahmen Albert und Christl Kappeler den Sachausschuss ,,Ehe und Familie''. 1978 kamen drei neue Familien dazu und von Seiten der Kolpingsfamilie Oberstdorf wurde ein Familienbeitrag, den es in den übergeordneten Strukturen nicht gab, bei uns am Ort eingeführt. Ab 1979 traf sich der Familienkreis meist daheim in lockerer Form. Dieser Kreis bestand bis Mitte der 80er Jahre. 1986 wurde eine neue Vorstandschaft gewählt und Reinhard Seitz übernahm den Sachausschuss ,,Ehe und Familie''. Es gab nun zwei Familienkreise. Die Verantwortung für den ersten Familienkreis hatte Walter Moißl übernommen. Dieser Kreis von sechs Familien traf sich alle zwei Monate zu einem Thema. Der Familienkreis 2, der sich aus der Gruppe ,,Junge Erwachsene'' von Reinhard Seitz und Monika Werner herausgebildet hatte, bestand aus acht Familien. Neu war, dass alle Unternehmungen immer zusammen mit den Kindern durchgeführt wurden. Familienkreise bestehen immer nur eine bestimmte Zeit. So stellten beide Kreise 1990 und 1991 ihre gemeinsamen Zusammenkünfte ein. Martin Rees gründete 1990 die Gruppe ,,Junge Paare'', die sich einige Jahre traf.
Viele Unternehmungen der Kolpingfamilie hatten als Zielgruppe die Familien in Oberstdorf. Es wurden Kinderfeste in der Oybelehalle organisiert, Kolpingfamilientage durchgeführt und in den 90er Jahren im Kurhaus ein regelmäßiger Kinderkleidungsbasar angeboten.
Seit der Zentralversammlung 1994 wird der Sachausschuss ,,Ehe und Familie'' für die örtliche Kolpingsfamilie nicht mehr vorgeschrieben. Jede Kolpingfamilie soll in ihrer Mitgliederversammlung für sich entscheiden, welche Aufgabenbereiche wahrgenommen werden.
In einer Zeit, in welcher der Familienbegriff immer kontroverser diskutiert wird, sollte die Kolpingfamilie klar aufzeigen, welchen Wert Ehe und Familie für sie hat und dieser Institution entsprechende Hilfen anbieten.

Jungkolping – unsere Zukunft!

Als sich 1966 die erste Jungkolpinggruppe unter der Leitung von Josef Hindelang zusammentat, ahnte keiner, welch vielseitige und wechselvolle Geschichte damit beginnen sollte. Mit Peter Vehorn erlebte die Oberstdorfer Kolping-Jugendarbeit in den Jahren 1968-70 ihren ersten Höhepunkt. Es gab erstmals zwei Jugendgruppen! Michel Thannheimer und Freddy Vogler standen dem Jungkolpingleiter zur Seite.
1970 stieß Charly Lindauer dazu und wurde Ende des Jahres, nach dem tödlichen Verkehrsunfall von Peter Vehorn, ganz unerwartet sein Nachfolger

Peter Vehorn mit seiner Jugendgruppe
Peter Vehorn mit seiner Jugendgruppe

als Jungkolpingleiter. Ihm kam nun die Aufgabe zu, die Lücke zu schließen, die der plötzliche Tod von Peter Vehorn gerissen hatte.
Charly Lindauer und auch sein Nachfolger als Jungkolpingleiter, Reinhard Seitz, prägten die Jugendarbeit in unserer Kolpingsfamilie. In der von Ihnen verantworteten Zeit wurden Gliederung und Arbeitsweise der Kolpingjugend entworfen und immer wieder den Erfordernissen einer zukunftsfähigen Jugendarbeit angepaßt und weiterentwickelt. Als Reinhard Jungkolpingleiter wurde, wechselte Charly zur Altersgruppe Junge Erwachsene. Die Kolpingfamilie bestand jetzt aus drei Altersgruppen (Jungkolping bis 14-18 Jahre, Junge Erwachsene bis 30 Jahre, Erwachsene ab 30 Jahre). Aber noch eine Neuerung gab es Anfang der 70er Jahre: Am 11. Mai 1972 wurden die ersten Mädchen in die Kolpingfamilie aufgenommen. Helene Roob und später ihre Schwester Paula Roob waren die Leiterinnen. Im Jahre 1973 bildete sich unter Gruppenleiter Charly Lindauer die erste gemischte Gruppe aus Jungen und Mädchen in der Altersgruppe Junge Erwachsene.
Mit der Zunahme der Mitgliederzahl verstärkte sich auch die Notwendigkeit, die Aktivitäten von Jungkolping, Jungen Erwachsenen und Erwachsenen zu koordinieren. Deshalb wurde 1973 die Jungkolping-Leiterrunde gegründet. Darin fanden sich regelmäßig die Gruppenleiter, der Jungkolping-Kassier, der Schriftführer und weitere junge Mitglieder zusammen. Alle Angelegenheiten, die Jungkolping betrafen, wurden hier besprochen und entschieden.
Dabei ging es zum Beispiel um Gruppenstundenprogramme, Jahresthemen, Weihnachtsmärkte, Infostände, Flohmärkte, Neugründungen von Jugendgruppen oder auch Gruppenleiterschulungen.

Einen großen Teil der Leiterrundenarbeit beanspruchte das alljährlich wiederkehrende und von allen heiß herbeigesehnte Hüttenlager. Von 1968 bis 1991 war diese Ferienwoche für alle Jungkolpingmitglieder fest im Programm. Spaß und Action standen im Vordergrund dieser oft ,,hanebüchen'' sorglosen Tage; entsprechend begeistert waren alle. Das Ziel dahinter war, die jungen Leute ,,zusammenzuschweißen'', sie vertrauter zu machen mit ihrer Rolle, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Heraus kam immer wieder ein verschworener Haufen jungkolpingbegeisterter Buben und Mädchen, voll mit Erinnerungen an das letzte Hüttenlager und voller Vorfreude auf das nächste. Sie sind älter geworden, diese Buben und Mädchen, aber die Erinnerungen sind bis heute lebendig geblieben.

Hüttenlager in Weißenbach 1975
Hüttenlager in Weißenbach 1975

Aus diesem ,,Wir-Gefühl'' heraus wurden viele kreative, soziale und freizeitliche Aktivitäten geplant und durchgeführt. In den Jahren bis 1975 engagierten sich viele Jungkolpingmitglieder als Gruppenleiter, so z.B. Hans Wirth, Christiane Kaiserswerth, Monika Lindauer, Albert Hindelang, Josef (Joschi) Franz (gest. 199?), Michael Lindauer, Hubert Werner, Monika Berktold, Patricia Fichtel, Herbert Hiemer und Elisabeth Menz. Für die Jungkolping-Finanzen waren Brigitte Fischer und später Monika Trenkle verantwortlich. Als 1975 die Kolpingsfamilie von der Nebelhornstraße ins neue Kolpinghaus in der Oberen Bahnhofstraße umzog, waren 65 Mitglieder in den Jugendgruppen aktiv.

Alles ist neu und ein bisschen anders…

Im neuen Kolpinghaus war alles etwas anders, etwas strenger und mit mehr Auseinandersetzungen um Nutzung, Gestaltung und Pflege der Räume verbunden, als das früher im alten Domizil in der Nebelhornstraße der Fall war. So mussten sich die Jungen Erwachsenen den Zugang zum Stüble im Erdgeschoß in langwierigen Diskussionen im Kolpinghaus e.V., der als Träger des Kolpinghauses für die Nutzung zuständig war, förmlich erkämpfen. Zu einer fast unendlichen Geschichte schien sich auch die Handhabung der Trennwand, die zwei Jugendräume im Keller trennte, zu entwickeln. Eine Kurbel zur Betätigung war das Objekt der Begierde. Von den Hausmeistern wie ein Schatz gehütet und von den Jugendleitern zur Herausgabe gefordert, sorgte sie immer wieder in den verschiedensten Gremien für Gesprächsstoff. Aber solche Interessen- und Generationskonflikte schweißten auch zusammen. Man gefiel sich vielleicht in der Rolle der zu Unrecht bevormundeten Revolutionäre. Meinungsverschiedenheiten auf menschlich faire und demokratische Art und Weise auszutragen sowie sich in den Gremien unseres Verbandes zu behaupten, war und ist ein Ziel der Kolping-Jugendverbandsarbeit.

Oberstdorfer in der Verantwortung für die Bezirks- und Diözesanjugend

Neben den Aufgaben in Oberstdorf waren auch immer wieder Oberstdorfer ,,Kolpingler'' bereit, sich auf der Ebene des Kolping-Bezirkes Oberallgäu und des Kolping-Diözesanverbandes Augsburg zu engagieren. Dieser Einsatz für die überregionale Kolpingarbeit wurde in Oberstdorf nicht immer nur positiv gesehen. Hätte man Zeit und Einsatz der ,,Kolping-Reisenden'' doch auch in der eigenen Kolpingsfamilie gut brauchen können.

Den Oberstdorfer Mandatsträgern eilte nach Augsburg ein wenig schmeichelhafter Ruf voraus. Sie seien ,,gschtärgrindige'' Aufrührer, uneinsichtige Erbsenzähler und unverbesserliche Nörgler. Irgendwie ehrenhaft war das für uns schon. Immerhin war man auch bekannt für Offenheit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit.
Für jeden, der die Belastung eines Amtes in Bezirk oder Diözese annahm, brachte das aber reichen Gewinn. Der Blick über den Tellerrand der eigenen Kolpingsfamilie und die spannende und Spannungsreiche Arbeit in einem Verband mit 12.000 Mitgliedern, in unserer Diözese, hat sie alle geprägt. Viele Kontakte wurden geknüpft und neue Freundschaften, die auch über die eigene Amtszeit hinweg Bestand hatten, wurden geschlossen.
Auch die Kolpingsfamilie hat davon profitiert. Die guten Beziehungen zu den hauptamtlichen Diözesansekretären und Jugendreferenten in Augsburg, sowie zur Zentrale nach Köln, brachten oftmals einen Wissensvorsprung und stellten eine Bereicherung der Arbeit in der Kolpingsfamilie dar.

Oberstdorfer Mandatsträger im Bezirksverband Oberallgäu und Diözesanverband Augsburg ab 1972

Albert Vogler Bezirksvorsitzender
Walter Moißl Bezirksvorsitzender
Reinhard Seitz Bezirksleiter Jungkolping,
Diözesanleiter Jungkolping,
Diözesanleiter für Gesellschaft und Politik
Charly Lindauer Diözesanleiter Junge Erwachsene,
Diözesanleiter für Kultur und Freizeit
Martin Rees Diözesanleiter Jungkolping,
Leiter des Arbeitskreises Entwicklungshilfe,
Beauftragter für internationale Partnerschaftsarbeit in der Diözese
Ulrike Handl Bezirksleiterin Jungkolping,
Beauftragte für Bezirksarbeit im Diözesanvorstand,
Gruppenleiterschulungsteam der Diözese
Herbert Hiemer Mitglied im Diözesan Jungkolpingteam
Leo Schölderle Bezirksleiter Jungkolping
Michael Echtler Mitglied im Bezirksteam der Jugend
Bernd Bußjäger Mitglied im Bezirksteam der Jugend
Michael Menz Mitglied des Arbeitskreises Entwicklungshilfe

Mit Hochdruck weiter! Die nächsten Jahre 1975 - 1981

Von dieser gefestigten Basis aus und getragen von einem enormen Zusammengehörigkeitsgefühl fiel es der Leiterrunde leicht, für die Aufgabe als Gruppenleiter neue Mitstreiter aus den eigenen Reihen zu gewinnen. Hanni Regensburger und Andi Spindler († 20.4.1981) waren die nächsten Gruppenleiter. Bei Neugründungen von Jugendgruppen wurde in dieser Zeit hauptsächlich die Altersgruppe der Firmlinge angesprochen. Als Andi Spindler zur Bundeswehr mußte, wurde sein Platz von Peter ,,Schlumpf'' Baumgartner eingenommen. Reinhard Seitz und Monika ,,Wieble'' Werner leiteten inzwischen eine sehr gut funktionierende Junge-Erwachsenen-Gruppe. Als für Andi Spindler der Wehrdienst zu Ende ging, übernahm er wieder seine alte Gruppe, die er aber leider nicht mehr lange betreuen konnte. Bei einem Verkehrsunfall, in den er unschuldig verwickelt wurde, kam er ums Leben.
Ein herber Verlust für die Kolpingsfamilie Oberstdorf. Andi Spindler war mit seiner freundlichen Art bei allen beliebt und geschätzt.
An Alfred Spötzl lag es nun, die verwaiste Gruppe nach diesem tragischen Ereignis zusammenzuhalten. Als Alfred Spötzl auch das Amt des Junkolpingleiters übernahm, war für Kontinuität gesorgt.

Ein Blick in die Programme und Veranstaltungen

Jede Gruppe entwarf ein auf ihre Bedürfnisse zugeschittenes Programm. Die Gruppenleiter hatten ein Auge darauf, daß eine ausgewogene Mischung aus themenbezogenen Gruppenstunden und freizeitlichen Aktivitäten zustande kam. Eine nicht immer leichte Aufgabe, die so manchen Gruppenleiter schier verzweifeln ließ. Gerade, wenn es darum ging, Unterstützung für Gruppenleiter zu geben, erwies sich die Leiterrunde als hilfreiches Forum. Trotzdem blieb das Amt des Gruppenleiters immer eine Herausforderung.
Neben den beliebten Hüttenlagern gab es natürlich noch viele weitere tolle Veranstaltungen für junge Leute: Faschings-Discos zum Beispiel oder eine Filmothek, in der auch anspruchsvolle Filme mit anschließender Diskussionmöglichkeit gezeigt wurden. Für diesen Part zeichnete Franz Regensburger verantworlich. Fasnachtsrodeln von der Seealpe herunter, wo oft ganz besonders verwegene Gefährte antraten, Abende über Drogenkonsum, Besuche bei Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz, Gespräche mit Pfarrer und Kaplänen über Sterbehilfe und den §218 sowie über Gott und die Welt waren geboten. Ebenso gab es Spielabende (Lumpenfußball), Geländespiele, Dorfrallyes ...
Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Jede Zeit hatte dabei ihre eigenen Programme und ,,Highlights''. Für jeden bleibt etwas anderes in Erinnerung.

Wieder neue Gruppen bei Kolping

Mit Sabine Hehl und Martin Rees waren 1981 wieder zwei neue Gruppenleiter gefunden. Ungefähr 20 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren fanden sich in den beiden Gruppen zusammen. Den Einstieg bei den Jugendlichen ermöglichte der damalige Kolping-Präses und Pfarrer Karl Rottach. Bei einem Firmlingstreffen im Johannisheim und einem späteren Gottesdienst zur Firmvorbereitung konnten Sabine und Martin die Kolping-Jugendarbeit bei Eltern und Kindern vorstellen. Ab 1984 betreuten Christine Bufler und Erika Plum die Mädchengruppe von Sabine.

Jungkolpinggruppe mit Leiter Markus Schelldorf
Jungkolpinggruppe mit Leiter Markus Schelldorf

Als Markus Schelldorf 1982 Jungen und Mädchen gemeinsam zu einem Gruppentreffen einlud, wurde erstmals eine gemischte Jugendgruppe bei Jungkolping gegründet. Die bis zu 30 Mitglieder verlangten Markus, nicht nur der Zahl wegen, Höchstleistungen ab. Michael Neumann leitete ab Herbst 1984 die Gruppe von Martin Rees. Martin betrieb den Aufbau einer zweiten Junge-Erwachsenen-Gruppe, zu der beim ersten Treffen von 300 Eingeladenen etwa 30 erschienen. Nach den ersten beiden Treffen blieben 12 Interessierte übrig. In den kommenden Jahren erwies sich diese Junge-Erwachsenen-Gruppe als wichtiger Bestandteil der Alterspyramide. Konnten sich Interessierte aus Jugendgruppen, die sich aufgelöst hatten, doch weiter bei uns engagieren.
Langsam, aber spürbar, änderte sich die Zeit, und mit ihr Angebote und auch Ansprüche. Nochmals gelang es, der Jungkolping-Arbeit eine weitere Generation folgen zu lassen: Michael Henschel scharte 1985 Mädchen und Jungen in einer Gruppe zusammen. 1987 gründete Daniela Brucksch eine Mädchengruppe. Nach Markus Schelldorf traten Daniela Brucksch und Andreas Kaenders gemeinsam an, das Amt der Jungkolpingleitung auszufüllen. In den 90ern waren noch einige Gruppenleiter aktiv, die sich alle mit ganzem Einsatz der Sache Adolph Kolpings und der Jugendarbeit widmeten.
Es waren Michael Echtler, Birgit Schwenk, Sonja Goretzki, Jens Goretzki, Robert Bußjäger und Bernd Bußjäger. Alle waren angetreten, um jungen Menschen Orientierung und Lebenshilfe zu bieten. Dabei haben sie Beachtliches geleistet.

Irgendwann riß der Faden!

Die Leiterrunde arbeitete nach wie vor sehr engagiert. Es war aber schwierig geworden, Buben und Mädchen für die Sache Kolpings zu begeistern. Es kamen noch einige neue junge Leute dazu, die allerdings nicht lange ihren Elan behielten. Manche waren beruflich stark eingespannt oder zogen von Oberstdorf fort. Vielleicht befaßte man sich zu sehr mit sich selber und verlor den Blick für das Wesentliche, nämlich die Kinder und Jugendlichen...
Wenn einmal der Faden gerissen ist, ist es schwer, wieder Anschluß zu finden. Gefragt sind dann wieder ,,Pioniere'', denen es gelingt, durch ihr Charisma und ihre Begeisterungsfähigkeit Menschen zu gewinnen.

,,Wer Menschen gewinnen will, muss sein Herz zum Pfande geben''

Adolph Kolping

Neue Anläufe 1997!

Als der Kolping Bundesverband 1997 einen Familienbeitrag beschloss und damit eine Mitgliedschaft ab der Geburt ermöglichte, wurde die Kolpingfamilie mit der Situation konfrontiert, dass junge Eltern ihre Sprösslinge als Kolping-Mitglieder anmeldeten. Jetzt hatten wir wieder Junge Kolpingler in unseren Reihen. Und nun ist es an uns, was wir daraus machen.

Wir müssen ein Angebot schaffen, das heutigen Interessen, Neigungen und Bedürfnissen Rechnung trägt. Wieder brauchen wir Verantwortliche, wieder brauchen wir Menschen, die ihre Freizeit für die Sache Kolpings opfern, aber: Es lohnt sich!

Die jüngsten Helfer bei der LUMEPA
Die jüngsten Helfer bei der LUMEPA

Die ruhige Zeit – Die Aktivitäten im Advent!

Eigentlich sollten wir in den Wochen vor Weihnachten etwas kürzer treten, uns auf das bevorstehende Geburtsfest von Jesus Christus freuen und uns auf das Wesentliche der weihnachtlichen Botschaft konzentrieren.
Der Terminkalender der Kolpingsfamilie ist dagegen in diesen Tagen meist reichlich voll. Nicht, dass wir uns beklagen wollen, nein, aber eine etwas verrückte Situation ist es schon. Der Veranstaltungsreigen beginnt seit zwei Jahren mit einem

Kunsthandwerklichen Adventsmarkt im Johannisheim
Kunsthandwerklichen Adventsmarkt im Johannisheim

Adventsmarkt im Johannisheim

Eigentlich war dessen Vorläufer in den Jahren 1996 und 1997 eine von Markus Schelldorf organisierte Krippenausstellung im Kolpinghaus.
Für 1998 musste eine neue Idee her. Ein Adventsmarkt sollte es sein. So richtig wussten wir nicht, auf was wir uns da einließen. Selbst hergestellte Handwerks- und Bastelwaren sollten angeboten werden, so viel war uns klar. Aber wieviel Ware wird eigentlich gebraucht? Was kommt an? Wer stellt was wann her? Eines war uns aber klar! Wir wollten keinen Markt, bei dem die Besucher aus Mitleid mit der Bemerkung ,,s isch ja fir an güete Zweck'' den in ihren Augen am wenigsten unnützen Artikel mit nach Hause nehmen.
Wir wollten einen Markt mit Stil, wo hochwertige kunsthandwerkliche Waren angeboten werden. Ein hohes Ziel, wie wir in den Wochen der Vorbereitung merkten. Es musste ja jetzt nicht nur gebastelt werden, sondern jeder Bastler/in hatte seine Teile auch auf die Qualität zu überprüfen. Endlich hatten wir die Probleme mit unserem Warenangebot im Griff. Aber wie sollte die Präsentation der wirklich gelungenen Bastelarbeiten sein? Zuerst waren wir immer von Verkaufstischen ausgegangen. Am Freitag Abend, also einen Tag vor der Markteröffnung, kam die Idee, eine wirkliche Marktatmosphäre ins Johannisheim zu zaubern. Zu einem Markt gehören aber Buden.

Die Idee, eine doch etwas rustikale Dekoration in den neuen Saal zu bauen, stieß anfänglich auf ein wenig Unverständnis der Hausherren. Aber durch gekonnte Parkettsicherungsmaßnahmen konnten wir diese Zweifel zerstreuen. Der Erfolg gab uns recht! Darum entschlossen wir uns zu einer Neuauflage im darauffolgenden Jahr.
Da der Frauenbund bisher auch jedes Jahr einen Adventsmarkt mit Flohmarkt veranstaltete, kam uns die Idee, die Marktkräfte in Kirchennähe zu bündeln. Diese Zusammenarbeit war, denke ich, für beide Teile fruchtbar. Wir ergänzten uns im Angebot und es konnten noch mehr Interessenten ins Johannisheim gelockt werden. Mit am erfreulichsten war, daß sich fast ein Viertel der Kolpingmitglieder für diesen Markt engagiert haben beim Basteln, Aufbauen, Kuchen backen, Verkaufen, Aufräumen ... Alle Mitarbeiter aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, aber ein besonderer Dank für ihren Einsatz, was die Bastelei betrifft, gebührt Andrea Schelldorf und Kathrin Rees.

Am ersten Sonntag im Dezember begeht die Kolpingsfamilie Oberstdorf wie auch Tausende von Kolpingsfamilien auf der ganzen Welt den

Kolpinggedenktag

Um an Adolph Kolping, den Gründer der Katholischen Gesellenvereine, zu erinnern, versammeln sich die Mitglieder der Kolpingfamilien. In seinem 52-jährigen Leben (8.12.1813 – 4.12.1865) hat er den Grundstein für ein Werk gelegt, das sich bis heute der ,,sozialen Fragen'' annimmt, die jetzt längst nicht mehr nur national, sondern international gestellt werden. Traditionsgemäß beginnen wir den Tag mit einem gemeinsamen Gottesdienst in unserer Pfarrkirche. Danach trifft man sich im Kolpinghaus zum Frühstück und um sich über anstehende Aktivitäten unserer Gemeinschaft auszutauschen. Der Kolpinggedenktag stellt das Bindeglied zwischen Verbandsgeschichte und Gegenwart dar und ist somit ein wesentliches Element im Jahresablauf unserer Kolpingsfamilie.

Dieser nun stark traditionsbeladene Tag gab natürlich in seiner Durchführung immer wieder Grund für tiefgreifende Diskussionen im Vorfeld. Hier nur einige dieser Problemstellungen:

Das Frühstück in früheren Jahren bestand immer aus Kaffe, Tee, Zopf und Marmelade. Schon die Frage, ob eventuell Butter mit gereicht werden könnte, wurde als offener Aufruhr gegen die guten alten Traditionen gewertet.

Aber auch diese Wogen konnten geglättet werden und mittlerweile gehört Butter mit zur Grundausstattung des Morgenmahles. Als Ausgleich und Belohnung empfanden es viele Spielbegeisterte, dass nach dem Frühstück die Schafkopfkarten gemischt werden durften. Ein ungeschriebenes Gesetz in Kolpingkreisen besagte: ,,Wer die Kirche verschlafen hatte, durfte nicht mit Schofkopfe''. Diese Regel strafte manchen zu spät Gekommenen sehr hart. Seit einigen Jahren allerdings wäre mancher froh, wenn wenigstens ein Verschlafener noch die Runde der stark dezimierten Schafkopfer auffüllen würde.

Nikolausdienst

Guter Brauch ist es seit mehr als 20 Jahren, dass am 5. und 6. Dezember Mitglieder unserer Kolpingsfamilie im Gewande des Heiligen Nikolaus von Myra Familien mit Kindern besuchen. Jahr für Jahr waren bis zu drei Nikoläuse mit ihren Knechten im Nikolausdienst für Familien aktiv. Bis zu 40 Hausbesuche wurden an diesen jeweils zwei Tagen gemacht, und die Anzahl der leuchtenden Kinderaugen, die mal erwartungsvoll und mal ängstlich den Mann mit Stab und rotem Gewand betrachteten, sind nicht mehr zu zählen. Manche Träne floß während dem Aufzählen der diversen Sündenregister. Diese konnten oftmals erst mit dem Hinweis auf den noch gefüllten Sack mit Geschenken getrocknet werden. Für Erheiterung sorgten allerdings unsere Nikoläuse auch. So soll es schon einmal vorgekommen sein, dass sich der heilige Mann neben anstatt auf den Stuhl setzte. Einem anderen war entfallen, dass er eigentlich ,,draus vom Walde'' herkommt. Er machte kurzerhand ,,Vom Wienerwald da komm ich her'', daraus, und auf die Frage ,,Na, Boris, wie heißt du denn?'' konnte jener befragte Boris nur wenig antworten. Neben Markus Schelldorf, Andreas Kaenders und Markus Geiger, die in den letzten Jahren als Bischof Nikolaus unterwegs waren, haben noch Michael Menz, Alfred Spötzel, Franz Regensburger, Martin Eberle, Michael Neumann, Reinhard Seitz, Christian Hafner, Hans Wirth, Herbert Hiemer, Charly Lindauer, Albert Kappeler, Thomas Ihle, Manfred Bufler, Ludwig Bufler und Cornel Konrad diesen nicht nur für Kinder spannenden Dienst versehen. Auf eine Aufzählung der Knechte möchten wir verzichten. Ihnen kam allerdings die nicht minder verantwortungsvolle Aufgabe des Chauffeurs zu. Christkindelsmarkt

Kolping Christkindelsmarkt

Seit 1987 findet auf dem Oberstdorfer Marktplatz in jedem Dezember ein Christkindelsmarkt statt. Hauptinitiatoren dieses vorweihnachtlichen Budenzaubers sind die Kurverwaltung von Oberstdorf und der Verein Attraktives Oberstdorf, der die Verkaufsbuden gegen Gebühr zur Verfügung stellt. Die Wurzeln aber eines Chriskindelsmarktes gehen noch einige Jahre weiter zurück und liegen bei der Kolpingsfamilie Oberstdorf. Vom Jahre 1976 an veranstalteten die Jungkolping-Gruppen insgesamt sieben Mal einen mit fünf Buden ungefähr halb so großen Christkindlmarkt vor der Pfarrkirche.

Kolping Christkindelsmarkt
Kolping Christkindelsmarkt

Von selbstgebastelten Geschenkartikeln über Würstchen und Glühwein bis hin zu Spiel- und Märchenstunden reichte die Palette. Im Jahre 1984 wurde ins Auge gefasst, einen Nikolaus auf einer Kutsche über den Markt fahren zu lassen. Dies wurde von einem Großteil der Jugendleiter als ,,Vermarktung einer Legende'' abgelehnt. Im Jahre 1999 kam der Nikolaus sogar noch am 4. Advent und dies zwei Tage lang. So ändern sich die Zeiten. Aber noch einmal zurück zu den Kolping-Christkindlmärkten. In vielen freiwilligen Stunden gelang es den jungen Kolpingmitgliedern, ein vielleicht für das Auge nicht ganz so glitzerndes, aber mit innerer Begeisterung beseeltes vorweihnachtliches Markttreiben im Oberstdorfer Zentrum zu organisieren.
Als nun 1987 in Zusammenarbeit von vielen Gruppierungen ein gemeinsamer Oberstdorfer Christkindelsmarkt entstand, war die Kolpingsfamilie wieder mit von der Partie. In den ersten beiden Jahren betrieben wir unseren Stand gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde. Es gab bei uns Würstchen, Früchtebrot, Tee, Dritte-Welt-Waren und ein Quiz über Indien. Von diesem Jahr an nahm auch Franz Bickel als Nicht-Kolpinger seinen Platz in unserem Marktstand ein. Er informierte über sein Brunnenprojekt im Senegal. Wir reduzierten unser Angebot mit den Jahren etwas auf Rote, Weiße und Wiener Würste. Die Zusammenarbeit mit Franz blieb aber und ist für uns zu einer lieben Gewohnheit geworden. Jedes Jahr seit 1976 ging der Großteil des Erlöses in Entwicklungshilfe- und Sozialprojekte. Kolping Oberstdorf kann also auf eine mehr als zwanzigjährige Tradition im Bereich der Christkindlmärkte zurückblicken, und immer wieder konnten wir danach sagen: Es hat sich gelohnt für unsere Projekte und für unseren Zusammenhalt innerhalb der Kolpingfamilie Oberstdorf. Dafür gebührt allen Würstchenbratern ein großer Dank!

Mit Kolping in aller Herren Länder!

Das Internationale Kolpingwerk ist mittlerweile ein Verband mit ca. 420.000 Mitgliedern in 50 Staaten unserer Erde. War es anfangs Adolph Kolping selber, der seine Gesellenvereins-Idee über Grenzen hinweg nach Österreich, Ungarn und in die Schweiz trug, so taten dies in einem zweiten Schritt deutsche Auswanderer Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese, sowie Missionare aus Mitteleuropa, nahmen die Gedanken Kolpings mit nach Nord- und Südamerika. Erst in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wuchs die Kolping Idee in Afrika und Asien. Allerdings war sie auf ganz eigenständige Art und Weise entstanden. Nicht als Import von außerhalb, sondern mit einheimischen Verantwortungsträgern die versuchten, Kolpings Ansätze im Kontext ihrer Kultur zu etablieren.

In Montecassino: Josef Ohmayer, Hubert Müller, Theo Brucksch und Josef Hindelang
In Montecassino: Josef Ohmayer, Hubert Müller, Theo Brucksch und Josef Hindelang

Diese internationale Geschichte des Kolpingwerkes war auch das Fundament der ,,Jugendgemeinschaftsdienste'', die vom Kolpingwerk in Köln initiiert worden waren.
Jungen Menschen Urlaub ganz anderer Art anzubieten, war das Ziel. Als 1963 Theo Brucksch, Josef Hindelang, Hubert Müller und Josef Ohmayer am Rande der Abruzzen, ganz in der Nähe der Abtei Montecassino, auf dem dortigen deutschen Soldatenfriedhof mitarbeiteten, war dies ein ganz und gar nicht gewöhnlicher Urlaub.
Zwanzigtausend deutsche Soldaten liegen dort begraben und unweit davon befinden sich weitere Friedhöfe mit polnischen und englischen Kriegsgefallenen. Aber nicht nur Arbeit war es, was die Jugendgemeinschaftsdienste bei den organisierten Arbeitseinsätzen auf dem Programm hatten. Auch Land und Kultur sollte erlebt werden. So konnten die vier Oberstdorfer neben Neapel mit seinem Vesuv und Pompei auch Rom erkunden.

Schon 1962 taten sich einige Ministranten und Kolpingmitglieder zusammen und hoben die LUMEPA aus der Taufe. Mit der Hilfe für indische Missionare begann es, und heute ist der Begriff LUMEPA untrennbar mit Pater Dionys Lindenmaier verbunden, dessen Missionsprojekte in Tansania mit der jährlichen Papier-, Metall- und Altkleidersammlung unterstützt werden.
Mit Israel stand für Theo Brucksch ein ganz anderes Ziel für einen Arbeitseinsatz fest. In der Nähe von Nazareth war er mit einer der ersten deutschen Gruppen, die nach dem 2. Weltkrieg Israel besuchten, in einem Kibbuz zu einem Ernteeinsatz untergebracht. Mit Englisch, Deutsch und einigen Brocken Hebräisch versuchte die Jugendgruppe Land und Leute kennen zu lernen. Mit viel Fingerspitzengefühl gelang dies auch. Immer öfters sagte man ,,Shalom'', und am Abend beim Lagerfeuer sang man gemeinsam das bekannte ,,Hava Nagila ...''. Auch 1972 fuhr eine Gruppe der Jugendgemeinschaftsdienste mit Oberstdorfer Beteiligung zu einen Ernteeinsatz in einen israelischen Kibbuz. Neben Theo waren diesmal Karl-Peter Lindauer, Paula Lindauer, Reinhard Seitz und Walter Moißl mit dabei.
Eine ganz andere Richtung schlug Peter Vehorn ein. Er half 1969 einige Wochen bei einem Entwicklungshilfeprojekt in Kamerun mit. 1974 weilte Walter Moißl in Kenia um dort bei einem Arbeitseinsatz mitzuhelfen. Im Mai 1987 wurde Martin Rees als Delegierter des Diözesanverbandes Augsburg zur Generalversammlung des Internationalen Kolpingwerkes nach Rom entsandt. Dort diskutierten Kolpingmitglieder aus allen Ländern über Selbstverständnis und Arbeitsweisen unserer weltumspannenden Gemeinschaft.

Mit Indien wurde wieder ein neue Seite der Kolping-Weltkarte aufgeschlagen. 1987 und 1989 war Martin Rees zu Besuch beim Indischen Kolpingwerk, zuerst mit dem damaligen Diözesanpräses Geiselberger und später als Leiter einer 15-köpfigen Junge-Erwachsenen-Gruppe. Die erste Reise war noch sehr nach dem Motto eines ,,Rundum-Sorglos-Urlaubs'' über das Kolping Bildungswerk in Augsburg organisiert worden. Beim zweiten Besuch wurden andere Schwerpunkte gesetzt. So nah wie für einen Europäer möglich wollten die jungen Leute bei den Indern leben. Landestypische Verkehrsmittel wurden benutzt, einfachste Touristenunterkünfte gewählt und viele Kontakte gesucht. Als Gegenbesuch kamen im Oktober 1991 Kolping-Musiker aus Alleppy im indischen Bundesstaat Kerala zu uns in Oberstdorf.

Der Osten Europas

Mit der Öffnung des Eisernen Vorhanges begann sich auch bei unseren östlichen Nachbarn wieder der Kolpinggeist zu regen. Nach 40 Jahren kommunistischer Regierung, unter der die Betätigung in kirchennahen Organisationen fast gar nicht möglich war, fasste die Idee Kolpings bald wieder Fuß. Um die Kolpingjugendarbeit in Ungarn besser kennenzulernen, reiste Martin Rees 1991 gemeinsam mit der damaligen Jugendreferentin in Augsburg, Annemarie Leis, in die südungarischen Städte Pece und Boly.
In vielen Gesprächen wurde ihnen von den schwierigen zurückliegenden Jahrzehnten berichtet.
Der Bezirksverband Oberallgäu hatte sich Tschechien als Partnerland ausgesucht. Unter dem Bezirksvorsitzenden Alfred Wunderer, später Klaus Sailer und Bezirkspräses Adalbert Mosal, wurden diese Kontakte gepflegt. Ulrike Handl war als Mitarbeiterin im Arbeitskreis Osteuropa mit eine der treibenden Kräfte, wenn es um die Partnerschaftsbeziehungen zu Tschechien ging. Als der Bezirksverband Oberallgäu eine Informationsfahrt nach Alt Pilsen und vielen anderen Orten anbot, waren Hartmut Goretzki, Josef Ohmayer und Walter Moißl mit dabei.

Der Blick über den eigenen Tellerrand – oder die Geschichte der ,,Aktion 100''!

Unser Gründervater Adolph Kolping wollte sie immer, die tätigen Christen. Menschen also, die sich einmischen und ihren Mann/Frau im Leben stehen. In den unterschiedlichsten Bereichen sollen die Kolpingmitglieder zu finden sein, Verantwortung sollen sie übernehmen für Familie, Arbeitsplatz, Staat und Kirche.
Das neue Leitbild des Kolping - Bundesverbandes setzt drei inhaltliche Schwerpunkte für das Engagement des Kolpingwerkes Deutschland und somit aller Kolpingsfamilien: Familie, Arbeitswelt und Internationale Partnerschaft Als das Internationale Kolpingwerk im Jahre 1968 die ,,Aktion Brasilien'' ins Leben rief, war der Grundstein für eine internationale Partnerschaft zwischen Kolping Deutschland und den Kolpingsfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika gelegt. Hilfe zur Selbsthilfe hieß und heißt die Devise.
Keine Almosen sollen gegeben werden, sondern im gegenseitigen Dialog soll den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, ihr Leben in Würde zu gestalten.
Auch in Oberstdorf regte sich dieser internationale Kolpinggedanke. Vom Jahr 1977 an unterstützte die Kolpingfamilie Oberstdorf die Entwicklungshilfebemühungen der Kölner Zentrale. Als 1979 der Diözesanverband Augsburg, allen voran Diözesanpräses Rudolf Geiselberger (gest. 1987), die ,,Aktion Indien'' ins Leben rief, fand sich im Vorstandsprotokoll der Kolpingfamilie Oberstdorf folgender Vermerk: 05.06.1979 ,,Bis zur nächsten Vorstandsrunde überlegt sich jeder eine Möglichkeit für die Indien-Aktion'' . Seither zieht sich die Unterstützung des Indischen Kolpingwerkes und dessen Aktionen wie ein unsichtbarer Faden durch die Programme der Kolpingsfamilie Oberstdorf. Folgend nur ein Teil der Aktionen von uns für unsere ,,Indien-Aktion'':

Besuch aus Indien in Loretto
Besuch aus Indien in Loretto

Mit das prägendste Erlebnis für uns Oberstdorfer Kolpinger waren die Besuche unserer indischen Freunde. 1991 war es eine Musikgruppe aus dem südindischen Bundesstaat Kerala, die mit ihren Klängen das Kurhaus und unsere Pfarrkirche verzauberte. Der indische Zentralpräses Victor Santiago und einige Mitglieder des Vorstandes aus Indien besuchten danach noch dreimal unsere Kolpingsfamilie.
Wir versuchten, unser Land, unsere Kultur und unsere gesellschaftlichen Sorgen und Nöte beim Namen zu nennen und waren teilweise überrascht, dass von den Indern sehr konkrete Fragen zu unserem Renten- und Gesundheitssystem ebenso wie zu unserem kirchlichen Engagement gestellt wurden. Doch bei diesen Oberstdorf–Indien-Treffen war etwas von einem besonderen Kolpinggeist zu spüren. Es war mehr als das Treffen von Spendengebern zu Spendennehmern. Der gewisse Funken sprang über und die Distanz von ca. 7000 km schien wie weggeblasen. Seit 1991 entwickelte sich ein reger Briefverkehr und von indischer Seite wurden wir mehrmals eingeladen. Leider konnten wir bis heute der Einladung noch nicht folgen. Aber man braucht ja auch noch Ziele, für die es sich zu planen und arbeiten lohnt.

Im Jahre 1997 stand nun wieder die Frage nach einer Idee für unsere Indien-Aktion auf der Tagesordnung. Eine Verbindung zwischen dem nicht mehr allzu fernen 100. Jubiläum und dem Hausbauprojekt des Indischen Kolpingwerks schwebte Martin Rees vor. Nach einigen Gesprächen und der Diskussion, ob wir uns nicht zuviel vornehmen, stand das Grundgerüst:

100 Jahre Kolping Oberstdorf – 100 Häuser für indische Familien

In drei Jahren sollten also nun 60.000 DM für Familien, die unter der Armutsgrenze leben, von uns erarbeitet werden. Schnell fand sich ein kleiner ,,Indien-Arbeitskreis'' zusammen, und nun überlegten Albert Kappeler, Markus Geiger, Monika Werner, Leo Seelos und Martin Rees gemeinsam, wie die

,,Aktion 100'' - Menschenwürdiges Wohnen für Familien in Indien

aussehen könnte. Zuerst brauchten wir ein Erkennungszeichen. Die Idee für unser "Aktion-100-Logo" stammt von Markus Geiger.
Als nächster Schritt wurden zehn Bildertafeln mit Informationen über das Projekt, unsere Partner in Indien, die indische Kultur und Lebensweise sowie den Alltag einer indischen Familie gestaltet. Diese Ausstellung begleitet uns seither bei all unseren Aktionen und war bisher in der Oberstdorfer Pfarrkirche, im Kurhaus, in der Sparkasse, im Kolpinghaus, im Johannisheim, auf dem Marktplatz, bei der Misereor-Eröffnungsveranstaltung 1998 in Neuburg a.d. Donau und bei der Kolpingfamilie Schrobenhausen zu sehen.
Was uns alle überrascht hat, ist die Spendenbereitschaft unserer Oberstdorfer Bevölkerung. Dank deren Hilfe werden wir unser Ziel bis zum Kolpinggedenktag 2000, dem Schlußpunkt der ,,Aktion 100'', den wir mit unserem Diözesanpräses Josef Hosp und dem Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes, Hubert Tintelott, begehen werden, sicher erreichen.
Der auslösende Funke für dies alles war Diözesanpräses Rudi Geiselberger. Er war das Herz und das Gewissen der Indien-Aktion im Diözesanverband Augsburg. ,,Des wea doch wos fir Di'' hatte er in seinem Penzberger Dialekt zu Martin Rees gesagt. So wurde der Funke weitergetragen, und heute ist die ,,Aktion 100'' aus unserer Kolpingfamilie nicht mehr wegzudenken.

KKB – Ein Angebot für junge Familien

Anfang 1996 hatte Gaby Mayer die Idee, eine Börse für gut erhaltene gebrauchte Kinderbekleidung einzurichten. Dieser Vorschlag fand in der Kolping-Vor­standschaft große Zustimmung. Schnell war auch ein Name gefunden: Kolping Kinderkleider Bazar (kurz: KKB). Da diese Einrichtung als langfristiges Projekt geplant wurde, war es unbedingt erforderlich geeignete Räumlichkeiten zu fin­den. Die Räume im Kolpinghaus wurden zu dieser Zeit für die Jugendarbeit benötigt (Kolpuccino) und standen deshalb nicht zur Verfügung. Dem unermüd­lichen Einsatz von Gaby Mayer, die buchstäblich ,,Klinkenputzen'' ging, ist es zu verdanken, dass uns ein Raum im Kurhaus kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Das kleinere Problem war es, Helferinnen und Helfer für die Durchführung zu begeistern.

Mit großem Enthusiasmus starteten wir am 6. Juni 1996 den ,,Kolping ­Kinderkleider Bazar", der seitdem jeden ersten und dritten Montag im Monat geöffnet ist. Die große Resonanz bei Oberstdorfer Familien war der Beweis, dass wir ein Marktlücke entdeckt hatten. Gut erhaltene Kinderkleidung wurde uns körbevoll gebracht. Die Kleidungsstücke werden gegen eine geringe Gebühr entgegengenommen und in Kom­mission verkauft. Aufgrund der großen Nachfrage erweiterten wir unser Angebot um Spiele, Spielsachen und Kinderbücher.

Der Kolping Kinderkleider Basar im Kolpinghaus
Der Kolping Kinderkleider Basar im Kolpinghaus

Die Menge an angenommener und verkaufter Kleidung stieg kontinuier­lich und war in dem kleinen Raum im Kurhaus fast nicht mehr unterzubringen.
Im Laufe des Jahres 1999 beschlossen wir ins Kolpinghaus umzuziehen. Unter tatkräftiger Hilfe von Walter Moißl, Eugen Ländle, Martin Rees und Markus Schelldorf wurden die Kellerräume renoviert und im November 1999 fand der KKB im Kolpinghaus ein neues Zuhause. Am Kolpinggedenktag 1999 wurde die neue Familieneinrichtung den Mitgliedern der Kolpingsfamilie vorgestellt. Mit einer Kindermodenschau, präsentiert von unseren jüngsten Kolpingmitgliedern als Models und ausgestattet mit Kleidern aus dem KKB, wurde die Eröffnung stilgerecht begangen.

Von den Gebühren wurden im Laufe der Jahre Spenden für verschiedene Einrichtungen zur Verfügung gestellt: Die Ortsbibliothek erhielt eine Sammlung aktueller Gesellschaftsspiele, darüber hinaus gab es Hilfspakete für Kosovo-Flüchtlinge, die Unterstützung der Ukraine-Hilfe des THW, eine Einladung der Grundschule ins Kino und Strampler für die Oberstdorfer Geburtenabteilung.

Leitbild des Kolpingwerkes Deutschland

Adolf Kolping (1813-1865) Gründer der katholischen Gesellenvereine
Adolf Kolping (1813-1865) Gründer der katholischen Gesellenvereine

Das Kolpingwerk ist ein Verband von engagierten Christen, die in Gesellschaft und Kirche auf der Basis des Evangeliums und der Katholischen Soziallehre Verantwortung übernehmen.
Die Kolpingsfamilie begleitet und trägt den einzelnen als familienhafte Weggemeinschaft. Hier geben und empfangen Menschen Orientierung und Lebenshilfe. Das Kolpingwerk ist ein demokratisch verfaßter, katholischer Sozialverband. Es ist Bildungs- und Aktionsgemeinschaft.

Unsere Grundlagen: Christ sein mit Kopf, Herz und Hand.

Das persönliche Bekenntnis zu Jesus Christus und der gemeinsame Glaube an ihn sind Grundlage und Ziel für unser Handeln. Aus diesem Ursprung beziehen wir Motivation, Sendung und Auftrag. Im Einbringen der vielfältigen Begabungen unserer Mitglieder wird das Wirken des Heiligen Geistes erkennbar.

Adolph Kolping – ein Mensch, der begeistert.

Der Glaube Adolph Kolpings war geprägt von einem tiefen Gottvertrauen. Als Christ ist er persönliches Vorbild für Menschen in der Nachfolge Jesu. Das Handeln Adolph Kolpings war bestimmt durch die lebendige Einheit von Glaube und sozialer Verantwortung.

Seine Grundlagen waren: Gläubigkeit und Selbstvertrauen
Lebensernst und Freude
Eigenverantwortung und Solidarität
Geschichtsbewußtsein und Fortschrittswille

Aus Solidarität in die Verantwortung.

Wir handeln nach den Grundsätzen der Katholischen Soziallehre. Das Ziel ist die Gestaltung einer menschenwürdigen Welt.
Der Mensch ist Mitte und Ziel allen Handelns.
Das Gemeinwohl und insbesondere die Bedürfnisse der schwächsten Glieder der Gesellschaft sind zu berücksichtigen.
Die Gemeinschaft erfüllt die Aufgaben, die über die Kräfte des einzelnen hinausgehen.

Unser Weg: Weggemeinschaft der Generationen.

Die Kolpingsfamilie ist eine Solidargemeinschaft, die auch in schwierigen Zeiten zusammenhält. Die Art und Weise des Miteinanders kennzeichnet sie als familienhafte Gemeinschaft. Die Familienhaftigkeit zeigt sich durch gegenseitiges Vertrauen und Herzlichkeit. Eine Besonderheit von Kolping ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit der Generationen.

Bildung als Aufgabe.

Für Kolping sind Bildung und Bildungsarbeit wesentliche Merkmale verbandlichen Wirkens und Handelns. Ein umfassendes Angebot finden alle Interessierten in Einrichtungen der beruflichen Bildung, Familien-Ferienstätten, Kolpinghäusern und Jugendwohnheimen.

Engagement lebt vom Mitmachen.

Wir leben und fördern soziales Bewußtsein in Gesellschaft und Kirche. Die sozialen Fragen unserer Zeit fordern unser Engagement. Dabei helfen wir uns gegenseitig und allen, die unsere Dienste in Anspruch nehmen, in ihrer persönlichen Entfaltung. Wir liefern nicht nur Konzepte, sondern packen dort tatkräftig an, wo wir gebraucht werden.

In der Kirche zu Hause, offen für die Welt.

Wir sind in der katholischen Kirche zu Hause, mit der Offenheit zu einer respektvollen und praktizierten christlichen Ökumene. Unser Engagement gründet auf dem Evangelium und dem Glauben der Kirche. Dabei sind für uns die Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils wegweisend. Wir nutzen entschieden und engagiert alle Möglichkeiten zur Wiedererlangung der kirchlichen Einheit.

Unser Handeln: Wir sind Lobby für die Familie.

Die Familie ist ein unverzichtbares Element in der Gesellschaft. Deshalb setzt sich Kolping für den im Grundgesetz verankerten Schutz von Ehe und Familie ein. Kolping begleitet Menschen in den einzelnen Lebensphasen und in den unterschiedlichen Lebenssituationen. Kolping will junge Menschen ermutigen und befähigen, Ehe und Familie zu leben. Wir gestalten die Arbeitswelt mit.

Kolping sieht in der Arbeit nicht allein die Notwendigkeit zum Lebensunterhalt, sondern eine Chance zur Selbstverwirklichung und erwartet die Bereitschaft zur beruflichen Bildung und Weiterbildung. Kolping misst einer menschenwürdigen Gestaltung der Arbeitswelt eine besondere Bedeutung bei und wirkt mit in der sozialen Selbstverwaltung sowie in der betrieblichen Mitbestimmung. Kolping sieht die Erwerbsarbeit und die Arbeit in der Familie als gleichwertig an und tritt für die Aufwertung der ehrenamtlichen Arbeit in Gesellschaft und Kirche ein.

Wir bauen an der Einen Welt.

Kolping setzt sich für die Schaffung einer dauerhaften Friedensordnung, für die weltweite Verwirklichung demokratischer Strukturen und die Sicherung der Menschenrechte ein. In Verantwortung für die Schöpfung ist es uns wichtig, die Lebensgrundlagen in der Einen Welt nachhaltig zu sichern. Im Internationalen Kolpingwerk sind wir mit Menschen aus der ganzen Welt durch partnerschaftliche Kontakte und Projekte verbunden. Unser Ansatz ist dabei, ,,Hilfe zur Selbsthilfe'' zu leisten.

Unser Jubiläum – Unsere Wünsche

Die ersten Vorarbeiten für unseren 100. Geburtstag begannen schon 1995. Für unser 95. Gründungsfest hatten wir uns vorgenommen, alle ehemaligen Mitglieder ins Kolpinghaus mit einzuladen. Bei dieser Namenssammlung wurde uns wieder bewusst, wie viele Oberstdorfer und Oberstdorferinnen mit unserer Kolpingsfamilie einen Teil ihrer Vereinsgeschichte gegangen sind. Alle haben sie in die Kolpinggemeinschaft einen Teil von sich eingebracht, und bei den meisten sind Erlebnisse und Begegnungen, die sie durch und mit Kolpingmitgliedern hatten, noch präsent. Weggemeinschaften sind das Ziel von Kolping, und wenn sich diese einmal trennen, ist es durchaus möglich, dass sie sich nach der nächsten ,,Lebenskreuzung'' wieder begegnen. Was mir bei Kolping gefällt ist, daß hier ganz ohne Leistungszwang

lebensbegleitende – altersspezifische – familienhafte

Gemeinschaft möglich ist. Dass wir gemeinsam etwas bewegen können, haben uns nicht nur die letzten Monate gezeigt, in denen die Vorstandschaft mit vielerlei Jubiläumsorganisation zu tun hatte. Unsere Aufgabe wird es sein, auch in Zukunft Angebote zu schaffen, Menschen zu begeistern und Gemeinschaft zu pflegen. All denjenigen, die sich für das Wohl und die Zukunft unserer Kolpingfamilie eingesetzt haben, gilt mein besonderer Dank.

Martin Rees
(Vorsitzender)